Welche typischen Fehler passieren Redaktionen bei der kanalübergreifenden Themenplanung?
TL;DR: Das sind die fünf häufigsten Fehler bei der kanalübergreifenden Planung:
- Ein Thema eins zu eins über alle Kanäle zu veröffentlichen
- Ohne echte Zielgruppenanalyse zu planen
- Mangelnde Abstimmung zwischen den Ressorts
- Parallel in getrennten Tools zu planen
- Performance-Daten zu spät auszuwerten, um noch reagieren zu können
So unterschiedlich diese Fehler auch wirken mögen, sie führen alle zum selben Ergebnis: doppelte Arbeit, uneinheitliche Botschaften und verpasste Zielgruppen. Die gute Nachricht: Die Lösung ist bei allen fünf dieselbe. Zunächst planen Sie das Thema, richten Entscheidungen an den Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe aus, lassen alle Ressorts mit einem gemeinsamen Plan arbeiten und spielen Performance-Daten an diesen Plan zurück. Ein spezialisiertes Redaktionsplanungstool wie Kordiam macht genau das möglich und schafft eine zentrale Instanz für alle Kanäle wie Print, Web, Audio, Newsletter und Social Media.
Kanalübergreifende Planung ist aus einem strukturellen Grund schwieriger geworden: Zielgruppen sind fragmentierter denn je. Der Reuters Institute Digital News Report 2025 zeigt, dass der Konsum von Social-Video-Nachrichten von 52 % im Jahr 2020 auf 65 % im Jahr 2025 gestiegen ist und dass Social Media in den USA erstmals das Fernsehen als wichtigste Nachrichtenquelle abgelöst hat. Gleichzeitig bespielen viele Redaktionen mit weniger Personal immer mehr Kanäle. Genau in dieser Lücke zwischen wachsenden Anforderungen und schrumpfenden Teams entstehen Planungsfehler. Hier sind die fünf häufigsten, warum sie passieren und wie Sie es besser machen.
Fehler 1: Ein Thema eins zu eins auf jedem Kanal zu übernehmen – und warum das nicht funktioniert
Jeder Kanal weckt andere Erwartungen bei der Zielgruppe. Deshalb schneidet ein Artikel, der unverändert überall veröffentlicht wird, auf den meisten Kanälen schwach ab. Es ist verlockend, ein Thema eins zu eins zu übernehmen, wenn die Ressourcen knapp sind. Doch damit wird nicht zwischen Personen unterschieden, die auf der Website lesen, dem Newsletter nur einen kurzen Blick schenken oder TikTok nutzen. Das funktioniert nicht. Das Reuters Institute hat festgestellt, dass TikTok inzwischen 17 % der Nutzenden mit Nachrichten erreicht und dass 44 % der 18- bis 24-Jährigen Social Media als ihre Hauptquelle nennen. Für ausführliche Web-Artikel bevorzugt die Leserschaft weiterhin Text. Newsletter werden eher überflogen als vollständig gelesen und Social-Media-Kanäle belohnen kurze, native Videos. Ein Print-Erklärstück, das unverändert in eine Social-Media-Caption kopiert wird, blendet all das aus.
Redaktionen, die das gut lösen, planen das Oberthema einmal und entscheiden erst danach über das Format pro Kanal. Die Washington Post hat ihren Ton für TikTok neu ausgerichtet und setzt auf kurze, plattformgerechte Videos, und der „Bulletin“-Dienst der Independent nutzt überfliegbare Stichpunkt-Zusammenfassungen für Lesende unter Zeitdruck. Erdee Media Groep geht genauso vor: Jedes Thema wird zunächst in Kordiam geplant und erst in die Produktion überführt, wenn Format und Zielkanal feststehen (mehr dazu in unserem Webinar-Rückblick mit WoodWing). Das Prinzip: Das Oberthema ist die Planungseinheit, nicht der fertige Artikel. (Mehr dazu im Beitrag zur Anpassung von Inhalten für verschiedene Kanäle.)
Fehler 2: Ohne echte Zielgruppenanalyse zu planen – und was passiert, wenn Sie sie überspringen
Redaktionsmitglieder beauftragen Themen oft nicht danach, was die Zielgruppe tatsächlich braucht, sondern danach, was sie denken, was sich die Zielgruppe wünscht. Das ist der unscheinbarste der fünf Fehler, denn der Redaktionsplan wirkt weiterhin voll und die Inhalte werden veröffentlicht. Die Kosten zeigen sich erst später in Form von schwachem Engagement und Themen, auf die niemand gewartet hat. Das User-Needs-Modell bietet allen, die planen, ein gemeinsames Vokabular, um dies zu beheben. Es wurde beim BBC World Service von Dmitry Shishkin entwickelt und später gemeinsam mit dem Analyseunternehmen SmartOcto um acht Bedürfnisse erweitert (Update Me, Educate Me, Give Me Perspective, Keep Me Engaged, Divert Me, Inspire Me, Connect Me und Help Me). So rückt in den Mittelpunkt, warum jemand ein Thema konsumiert – und nicht nur, was passiert ist. Das Reuters Institute greift das Modell inzwischen auch in der eigenen Berichterstattung auf.
Es lohnt sich, Inhalte auf eine klar definierte Zielgruppe zuzuschneiden. Die von The Conversation gezielt für junge Berufstätige rund um Karriere, Finanzen und mentale Gesundheit entwickelte Serie „Quarter Life“ soll die Abschlussquote Berichten zufolge um 52 % gesteigert und die Ausspielung erhöht haben. In der Praxis bedeutet das: Ordnen Sie jedem geplanten Thema eine Zielgruppe und ein Nutzerbedürfnis zu. Prüfen Sie dann die Mischung: Veröffentlichen Sie fünf „Update Me“-Beiträge auf jeden „Educate Me“- oder „Help Me“-Beitrag, den Ihre Zielgruppe eigentlich will?
Fehler 3: Mangelnde Abstimmung zwischen den Ressorts – und wie daraus Doppelarbeit und Lücken entstehen
Wenn Ressorts – oder ganze Redaktionen innerhalb einer Mediengruppe – isoliert voneinander planen, jagen zwei Teams demselben Thema hinterher, während ein anderes unbeachtet bleibt. Mangelnde Abstimmung ist selten die Schuld Einzelner. Sie ist die vorhersehbare Folge davon, dass jedes Ressort nur seine eigene Sicht auf die Woche hat, ohne gemeinsamen Überblick. Die Lösung heißt Sichtbarkeit: Wenn jedes Ressort die vollständige Liste der geplanten Themen einsehen kann, fallen Überschneidungen und Lücken auf, bevor sie die Zielgruppe erreichen.
Das verändert auch den Zweck von Redaktionskonferenzen. Traditionell dienen sie dazu, alle darüber zu informieren, was die einzelnen Ressorts planen. Ist die Planung zentral einsehbar, kann man sich vorab einen Überblick verschaffen, und die Konferenz wird für echte Diskussionen über Prioritäten, Blickwinkel und Aufbereitung genutzt. Die Ergebnisse sind im großen Maßstab messbar: Ippen.Media hat mit mehr als 80 Regionalredaktionen eine gemeinsame Planungsplattform eingeführt und verteilt heute täglich 60 bis 80 Artikel im gesamten Netzwerk.
Fehler 4: Parallel in getrennten Tools zu planen. Und wo kollabiert das System?
Wenn jedes Ressort in seinem eigenen Tool plant – hier eine Tabelle, dort ein Projektboard, dazwischen E-Mail-Verläufe –, hat niemand den vollständigen Überblick, und dieselben Informationen werden mehrfach eingegeben. Eine Deadline ändert sich an einer Stelle und erreicht die anderen nie. Ein Thema, das in einem System als fertig markiert ist, gilt in einem anderen noch als in Arbeit. Der Abgleichaufwand wächst mit jedem weiteren Kanal und bleibt unsichtbar, bis etwas durchs Raster fällt. Dieser Wechsel zwischen Tools hat auch außerhalb von Redaktionen einen echten Preis. Eine Studie des Harvard Business Review, die 137 Mitarbeitende in drei Fortune-500-Unternehmen untersucht hat, ergab, dass Menschen etwa 1.200-mal am Tag zwischen Anwendungen wechseln und dabei fast vier Stunden pro Woche – rund 9 % der Arbeitszeit – allein für die Neuorientierung nach jedem Wechsel verlieren. Redaktionsspezifische Zahlen gibt es nicht, aber wer für Planung, Produktion und Distribution getrennte Tools nutzt, summiert die Kosten auf dieselbe Weise. Die Lösung ist ein gemeinsamer Plan, mit dem jedes Ressort arbeitet, sodass eine einmal vorgenommene Änderung überall sichtbar wird.
Fehler 5: Performance-Daten zu spät auszuwerten, um noch reagieren zu können – und warum das ein Planungsfehler ist
Performance-Daten bewirken nichts, wenn sie nicht rechtzeitig bei denjenigen ankommen, die noch reagieren können. Viele Redaktionen werten Zahlen erst Wochen später aus, in einer separaten Übersicht, lange nachdem der nächste Zyklus bereits feststeht. So behandelt, werden Analysedaten zum Zeugnis statt zur Planungsgrundlage. Das Ziel ist, die Schleife zwischen Veröffentlichung und nächster Planung zu verkürzen, damit Performance-Daten Entscheidungen erreichen, solange noch Zeit bleibt, darauf zu reagieren.
Das bedeutet, die relevanten Kennzahlen direkt in die Planungsansicht zu holen. Bei Heise zeigt eine Integration mit der Analyseplattform Upscore Artikelaufrufe und Conversions direkt in der Kordiam-Planungsumgebung an, sodass die Redaktion die Performance eines Themas beurteilen kann, ohne das Tool zu wechseln oder ein separates System zu konsultieren. Es geht um zielgruppenorientiertere Planung und schnelleres Feedback für Redaktionsmitglieder – nicht um Analyse als Selbstzweck.
Wie sieht gute kanalübergreifende Planung stattdessen aus?
Sie müssen nicht alles auf einmal ändern. Beginnen Sie mit dem Fehler, der Ihr Team gerade am meisten kostet – meist verstreute Tools oder eine zu späte Erfolgskontrolle –, und beheben Sie ihn, bevor Sie zum nächsten übergehen. Womit Sie auch anfangen: Die zugrunde liegende Lösung ist immer dieselbe – geben Sie dem gesamten Team einen Ort, an dem alle den Plan, die Zielgruppe und die Performance auf einen Blick sehen. Genau dafür ist ein spezialisiertes Redaktionsplanungstool wie Kordiam gemacht.
Das vollständige Schritt-für-Schritt-Framework hinter diesen Lösungen finden Sie in unserem Leitfaden zur kanalübergreifenden Redaktionsplanung.

